Weitergehende Informationen über die Einlagenversorgung

 

Die folgenden Informationen sind der Diplomarbeit von Andreas Kraus, geschrieben an der Universität Augsburg, entnommen.

1.1     Einlagen

1.1.1     Nutzen

„Einlagen sind funktionelle Orthesen zur Korrektur, Stützung oder Bettung von Fußdeformitäten, zur Entlastung oder Lastumverteilung der Fußweichteile, der Bein- oder auch Wirbelsäulengelenke. Sie werden aus Kork, Leder, thermoplastischen Kunststoffen und/oder Metall gefertigt“. Sie sind die am häufigsten verordneten Orthesen überhaupt. Sie dienen der Ruhigstellung, Entlastung und Stützung des Fußes, sowie der Korrektur von Fußdeformitäten.

Die Aufgabe der Einlage besteht darin, die gestörte Statik und Dynamik des Fußes und Beines so gut wie möglich wieder herzustellen. Durch die Einlage wird der Fuß in eine korrigierte Stellung gebracht. Dadurch soll eine fehlerhafte Statik ausgeglichen bzw. eine veränderte Schrittabwicklung normalisiert werden. Schmerzhafte Stellen des Fußes können u. U. durch die Einlage entlastet werden. Belastungsspitzen des Fußes können vermindert werden, indem die Belastungsfläche maximiert wird.Somit sind Einlagen ein orth. Hilfsmittel zur Behandlung von Fußleiden, die aus der Veränderung der statischen und dynamischen Situation des Fußes resultieren.

Grundsätzlich kann zwischen drei unterschiedlichen Einlagentypen und deren Wirkungsweise unterschieden werden:

  1. Die korrigierende Einlage soll auf einen noch wachsenden Fuß eine formende Kraft ausüben und somit eine vorhandene Fehlstellung korrigieren.
  2. Die stützende Einlage soll bei einer Überlastung den Fuß in belastungsfähiger Form erhalten. Durch ihre stützende Funktion soll die Last abgefangen werden.
  3. Bettende oder entlastende Einlagen sollen schmerzhafte, druckempfindliche Bezirke des Fußes vom Druck entlasten bzw. durch Bettung der gesamten Fußsohle die Belastung gleichmäßiger verteilen.

Besonders wichtig ist, daß die Einlage individuell nach dem Fußabdruck bzw. Fußmaß gefertigt und auf das jeweilige Krankheitsbild abgestimmt ist.

Je nachdem welches Ziel der Arzt mit seiner Behandlung verfolgt, werden verschiedene Materialien eingesetzt. Dementsprechend unterschiedlich ist daher auch der Arbeitsaufwand. Im Hilfsmittelverzeichnis PG 08 Einlagen gibt es fünf verschiedene Einlagenuntergruppen bzw. –typen.

 

1.1.2     Indikationen für die Einlagenversorgung

Grundsätzlich sind Einlagen indiziert bei Schmerzen im Fuß- und Beinbereich. Außerdem können Einlagen als Versuch zur Wachstumslenkung bei Kindern verordnet werden.

Die korrigierende Einlage ist indiziert bei einem noch wachsenden Fuß. Indikationen sind der Knick-Plattfuß, der Klumpfuß, der Sichelfuß, der Hohlfuß und der Spreizfuß.

Stützeinlagen sind die am meisten verordneten Einlagen. Sie sind indiziert bei einem Knick-Senk-Fuß und beim Spitzfuß.

Bettende Einlagen werden verordnet bei kontrakten Fußfehlformen wie dem Plattfuß, dem Ballenhohlfuß, sowie beim diabetischen- oder rheumatischen Fuß. Ihr Ziel ist es, schmerzhafte Fußbereiche ruhigzustellen. Druckstellen im Vorfußbereich, Zehenfrakturen oder entzündete Zehengrundgelenke können mit Hilfe der Einlage ruhig gestellt bzw. entlastet werden. Bei einem Fersensporn besitzt die Einlage am schmerzenden Bereich eine schaumgummigepolsterte Vertiefung um eine Entlastung zu erreichen.

Weitere Indikationen für die Einlagenversorgung sind:

Knick-Senk-Fuß, Spreizfuß, Spreizfuß und Vorfußdeformität, Klumpfuß, Hohlfuß, posttraumatische Zustände, diabetischer, rheumatischer und neuropathischer Fuß, Fersensporn, statische und dynamische Fehlstellungen der unteren Extremität und der Wirbelsäule, angeborene Fehlbildungen.

 

1.1.3     Auswirkungen bei einer Unterlassung der Versorgung mit Einlagen

Meines Erachtens kann keine zuverlässige Aussage zu den Folgekosten bei unterlassenen Versorgungen getroffen werden. Für eine solche Studie müßten eine Anzahl von Patienten ca. 10 Jahre unversorgt bleiben. Dies ist moralisch und ethisch nicht vertretbar. Dennoch kann davon ausgegangen werden, daß durch korrigierende Einlagen gewisse Fußdeformitäten am noch wachsenden Kinderfuß korrigiert oder wenigstens aufgehalten werden können. Würde diese Korrektur unterbleiben, so könnte die Fußdeformität weiter fortschreiten. Dies würde in der Zukunft zu komplexeren und dadurch teureren Versorgungen wie zum Beispiel orth. Schuhzurichtungen oder orth. Maßschuhe führen.

Während der Schwangerschaft tritt aufgrund der hormonellen Umstellung eine vermehrte Nachgiebigkeit der Bandstrukturen und des gesamten Weichteilapparates auf. Dies kann zu einer Fußgewölbesenkung führen. Diese ist nach der Geburt jedoch nicht mehr rückgängig zu machen. GRIFKA empfiehlt deshalb bei Bedarf während der Schwangerschaft eine Einlagenversorgung durchzuführen um der zu befürchtenden Fußgewölbesenkung vorzubeugen.

Bei Rheumatikern ist es besonders wichtig, daß die Behandlung der Fußdeformitäten frühzeitig beginnt.Dabei ist es wichtig, den sich schnell deformierenden Fuß möglichst lange in der statisch richtigen Form zu halten.

Durch die Einlagenversorgung sollen also Schmerzen gelindert, die Gehfähigkeit erhalten und trophische Störungen vermieden werden. Da Fußprobleme beim älteren Menschen oft über eine Gehbehinderung zur Inaktivität oder Invalidität führen, ist die intakte Gehfähigkeit eine wesentliche Voraussetzung zur Erhaltung der Lebensqualität. Somit bleibt der Patient durch seine intakte Gehfähigkeit weiterhin mobil und damit autark.

[Alle Rechte, insbesondere das Recht des Nachdrucks, der Wiedergabe in jeder Form behält sich der Autor vor. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne die schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert werden. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen und die Einspeicherung, Nutzung und Verwertung in elektronischen Systemen.]