Weitergehende Informationen über die Versorgung mit orth. Schuhen

 

Die folgenden Informationen sind der Diplomarbeit von Andreas Kraus, geschrieben an der Universität Augsburg, entnommen.

1.1     Orthopädische Maßschuhe

1.1.1     Nutzen

Bei komplexen, schmerzhaften Fußerkrankungen oder Deformitäten ist eine wirksame Ruhigstellung zur Stützung oder Korrektur oft nicht allein mit einer Einlage, sondern nur im Zusammenhang mit einer orthopädischen Schuhversorgung möglich.

Der orth. Maßschuh „stellt die maximale Behandlungsmöglichkeit für Fuß- und –funktionsstörungen dar und ist entsprechend der therapeutischen Staffelung erst dann indiziert, wenn das Therapieziel mit weniger aufwendigen Mitteln wie Einlagen, Schuhzurichtungen oder in bestimmten Bereichen mit Orthesen nicht erreicht werden kann“. Hervorzuheben ist, dass jeder orth. Maßschuh über einen individuell für den Patienten angefertigten Leisten hergestellt wird. Dadurch können alle notwendigen Elemente in den Schuh eingearbeitet werden.

Gemäß dem Hilfsmittelverzeichnis werden orth. Maßschuhe folgendermaßen definiert:

„Hierbei handelt es sich um einen in handwerklicher Einzelanfertigung hergestellten individuellen Maßschuh, der mit evtl. erforderlichen Zusatzarbeiten zum orthopädischen Maßschuh wird. Er wird für den einzelnen erkrankten, funktionsgestörten oder (form-) fehlerhaften Fuß nach besonderem Maß- und Modellverfahren erstellt und über einen individuellen Leisten handwerklich gefertigt. Serienmäßig bzw. über Serienleisten –auch über besonders „fußgerechte“ Leisten- angefertigte Schuhe sind keine orthopädischen Maßschuhe im Sinne der GKV. […] Die am orthopädischen Maßschuh im Einzelfall erforderlichen Zusatzarbeiten hinsichtlich Bettung, Entlastung, Stützung, Defektausgleich, Korrektur, Feststellung, Abrollhilfe kommen erst durch den vom Orthopädie-Schuhmacherhandwerk erbrachten Einbau in den Schuh zur Wirkung. […] Zusatzarbeiten am orth. Maßschuh komplettieren den orth. Maßschuh in besonderen Fällen und je nach Indikation zu einem individuellen Hilfsmittel. Entsprechend dem Krankheitsbild des zu versorgenden Fußes wird die Grundkonfiguration „Orth. Maßschuh“ gegebenenfalls erst mit einer oder mehreren Zusatzarbeit/en zu einer behinderungsgerechten und (teilweise)- ausgleichenden Versorgung.“

 

1.1.2     Indikation

Der orth. Maßschuh ist nur indiziert, wenn der Fuß in seiner Form, Funktion und/oder Belastungsfähigkeit so verändert ist, daß weder Fuß- bzw. entsprechende Krankengymnastik, fußgerechtes Konfektionsschuhwerk, lose orth. Einlagen, Therapieschuhe, orth. Schuhzurichtungen noch sonstige orthopädietechnische Versorgungen in Verbindung mit Konfektionsschuhen ausreichen, um eine dem Krankheitsbild oder der Behinderung angemessene Gehfunktion aufrecht zu erhalten oder zu ermöglichen.

GRIFKA (1997) verweist darauf, daß die von MARQUARDT im Jahre 1965 erstellte Indikationsliste für die Versorgung mit orth. Schuhen auch heute noch als Indikationsgrundlage Verwendung findet. Demnach sind orth. Schuhe indiziert bei:

Knick-Plattfüße mit Verlust des Längsgewölbes, Klumpfüße, korrigierte Klumpfüße im Kindesalter, Sprunggelenksversteifungen, schmerzhafte Funktionsstörungen und Versteifungen im Bereich der Fußwurzelgelenke, Beinverkürzungen von 3 cm und darüber, Hängefüße und funktionelle Hackenfüße, erhebliche Differenzen der Fußgröße und Mißbildungen, Hohlfüße mit reduzierter Belastbarkeit, Exartikulationen der Großzehe im Grundgelenk, Fußamputationen und –exartikulationen mit tragfähigem Stumpf, Spreizfüße mit groben Zehendeformationen und Mittelfußschmerzen, Beugekontrakturen der Zehengrundgelenke mit Abwicklungsbehinderung, schmerzhafte Versteifung der Zehengrundgelenke, grobe Fußdeformitäten mit Belastungsstörungen, Fußprothesen oder Innenschuhe, dauernde grobe Schwellungszustände der Füße und der Unterschenkel.

Die Indikationsliste kann auch aufgeteilt werden nach:

  • Formabweichungen (z. Bsp. ungleiche Fußgröße),
  • Fußdeformationen (z. Bsp. Skelettveränderungen oder Teilamputationen),
  • Funktionsstörungen (z. Bsp. Fehlstellungen, Lähmungen, Bewegungseinschränkungen),
  • Beinverkürzungen bzw. Beinlängendifferenzen, die 25 mm übersteigen,
  • Ergänzungen zur Orthesenversorgungen.

Eine Alternative zu einem orth. Schuh ist der orth. Innenschuh. Er enthält alle orth. Elemente und paßt in einen geeigneten Konfektionsschuh, der ggf. durch orth. Zurichtungen ergänzt worden ist. Somit kann der orth. Innenschuh in verschiedenen Schuhen getragen werden.

 

1.1.3     Auswirkungen bei einer Unterlassung der Versorgung mit orth. Maßschuhen

Aus den schon in Punkt 3.1.3 genannten Gründen gibt es keine Studien über die exakten Folgeschäden bzw. –kosten. Der orth. Maßschuh ist nur indiziert, wenn Einlagen und/oder Zurichtungen zu keiner Besserung führen können. Somit leidet der Patient unter einer besonders schweren Fußkrankheit durch die seine Gehfähigkeit sehr stark eingeschränkt ist. Im Extremfall wäre ohne die Versorgung kein Gehen mehr möglich.

Durch die Versorgung mit orth. Schuhen können Schmerzen gelindert oder Funktionsstörungen ausgeglichen werden. Die Steh- und Gehfähigkeit des Patienten kann somit erhalten werden. Dadurch bleibt dem Patienten seine persönliche Unabhängigkeit und ev. auch seine Arbeitsfähigkeit gesichert.

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